Die Feuerwehr Petersberg als Teileinheit des G ABC-Zuges

Seit März 2010 obliegen der Stadtteilfeuerwehr Petersberg die Aufgaben der sogenannten "Dekon P" Einheit des G ABC-Zuges der Feuerwehr Bad Hersfeld. Dieser Spezialeinheit für "atomare, biologische und chemische" Gefahrstoffe (G ABC) existiert im Landkreis Hersfeld - Rotenburg nur ein Mal und wird von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Hersfeld gestellt.

Die besondere Ausstattung und Ausbildung dieses Zuges ist immer dann gefragt, wenn es zu Unfällen mit solchen gefährlichen Substanzen kommt oder diese unkontrolliert freigesetzt werden. Der Feuerwehr obliegt dann die Aufgabe zur primären Abwehr von Gefahren für Menschen, Tiere, Sachwerte und Umwelt.

Im Falle eines Ereignisses "katastrophalen" Ausmaßes kann der G ABC-Zug als Katastrophenschutzeinheit auch landes- bzw. bundesweit angefordert werden. Im Gegenzug stellen der Bund und das Land Hessen Fahrzeuge und Ausrüstung bereit. Dazu gehören neben Fahrzeugen mit ausgereifter Messtechnik auch das Fahrzeug zur Dekontamination von Personen.

 

"Dekon-LKW-P" der Feuerwehr Bad Hersfeld, beschafft durch den Bund für den Zivil- und Katastrophenschutz.

Was bedeutet "Dekon P"?

Immer dann, wenn die Feuerwehr im Einsatz mit z.B. giftigen oder ätzenden Chemikalien, Bakterien, Viren oder radioaktiven Stoffen zu tun hat, ist auch ein besonderer Schutz für die Einsatzkräfte nötig. Inbesondere muss vermieden werden dass Partikel durch die Atemwege oder Wunden in den Körper oder auf die Haut gelangen können um dort ihre schädigende Wirkung zu entfalten.

Hierfür hält der G ABC-Zug Atemschutzgeräte und besondere Schutzkleidungen wie Einweg- oder gasdichte Chemikalienschutzanzüge vor. Bei Arbeiten an Leckagen oder beim Durchqueren von Dämpfen kann es aber dennoch dazu kommen dass sich gefährliche Stoffe auf der Schutzkleidung oder anderem Arbeitsgeräten absetzten und haften bleiben.

Damit beim Auskleidung und nach dem Einsatz keine Gefahr mehr von diesen Kleidungen und Gegenständen ausgeht, werden sie vor dem Verlassen des Gefahrenbereiches grobgereinigt. Diesen Vorgang nennt man Dekontamination. Trotzdem werden alle verwendeten Schutzkleidungen und Geräte durch die Dekon-Einheit verpackt und nach dem Einsatz zu einer Spezialfirma geschickt, wo sie fachgerecht gereinigt oder gegebenenfalls auch entsorgt werden.

 

 

Wie funktioniert eine Dekontamination?

Bei jedem Einsatz, bei dem Einsatzkräfte der Feuerwehr wegen der Gefährlichkeit der beteiligten Stoffe mit besonderer Schutzkleidung arbeiten müssen, wird von der Dekon-Einheit der "Dekon-Platz" eingerichtet. Dieser besteht aus einem roten Bereich zur Vorreinigung, einem aufblasbaren Duschzelt, einem gelben Bereich zum Auskleiden und einem grünen, "sauberen" Bereich. Jede Einsatzkraft, die im Gefahrenbereich mit den gefährlichen Stoffen in Berührung gekommen sein könnte, muss den Bereich über den Dekon-Platz verlassen.

Zwei Helfer, ebenfalls in schützender Einwegkleidung, helfen den Einsatzkräften beim Reinigen der Stiefel und unterstützen sie beim Auskleiden ihrer Schutzkleidung. Anschließend verpacken sie die Anzüge und beschriften sie für den Weitertransport zu einer Spezialfirma.

Auch alle benutzten Gegenstände wie beispielsweise Messgeräte, Handwerkzeug oder ähnliches werden im roten Bereich abgelegt, verpackt und zur Nachsorge gebracht.

In der Regel ist eine Grobreinigung mit Wasser ausreichend. Das verwendete Wasser wird in Fässern aufgefangen und nach dem Einsatz ebenfalls fachgerecht entsorgt. Für besonders hartnäckige oder spezielle Verschmutzung kann die Dekontamination auch mit speziellen Reinigungsmitteln oder warmen Wasser durchgeführt werden. Hierfür ist auf dem Dekon-LKW-P ein komplettes Hauswasserwerk zur durchgängigen Erzeugung von warmen Duschwasser verlastet. Somit können in speziellen Fällen auch Menschen ohne Schutzkleidung geduscht und somit dekontaminiert werden.

Bei Einsätzen mit biologischen Arbeitsstoffen und Agenzien, wie beispielsweise Bakterien und Viren, ist zudem vor der Reinigung eine Desinfektion notwendig. Hierfür werden auch bestimmte Mengen an Flächen- und Hautdesinfektionsmittel vorgehalten um einer nachträglichen Erkrankung und Verbreitung der Erreger zu verhindern.

Bei schlechtem Wetter oder niedrigen Temperaturen kann der Dekon-Platz noch um ein voll luftgestützes und beheizbares Schnelleinsatzzelt erweitert werden, damit sich die Einsatzkräfte im einer trockenen und warmen Umgebung wieder anziehen und ausruhen können.

Diese und noch zwei weitere Zelte können auch bei vielen anderen Schadensfällen hilfreich sein wenn es beispielsweise darum geht Aufenthaltsmöglichkeiten für Einsatzkräfte bei längeren Einsätzen zu schaffen oder um Zivilisten nach z.B. der Räumung eines Gebäudes, kurzfristig einen warmen und überdachten Fleck zu bieten.

 

 

Dekon-Platz für den Katastrophenschutz

Dekontamination im Katastrophenschutz

Die ursprünglich vom Bund mit dem Dekon-LKW-P gelieferte Beladung dient speziell dem Einsatz im Zivilschutz- und Katastrophenfall zur Dekontamination einer größeren Anzahl von Einsatzkräften über einen längeren Zeitraum. Im Bedarfsfalle kann die Anlage auch für Zivilpersonen genutzt werden.

Sie besteht, neben den oben genannten Gerätschaften zur Warmwasserzeugung mit Stromerzeuger, aus einem 15 m² großen Duschzelt und einem 25 m² großen Aufenthaltszelt. Auch diesen beiden Zelte sind beheizbar. Um unabhängig vom Wasserleitungsnetz arbeiten zu können stehen ausserdem Frisch- und Abwasserbehältnisse mit mehrern tausend Litern Volumen zur Verfügung. Mittels eines Faltwasserbehälters, welcher auf der Ladefläche verspannt werden kann, kann das Fahrzeug sogar zum Wassertransporter ausgerüstet werden.


Ein Teil dieser Beladung ist nicht ständig auf dem Fahrzeug verladen. Sie befindet sich auf einem Anhänger, der im Bedarfsfalle ohne Zeitverzögerung zum Einsatz gebracht werden kann. 

 
© Freiwillige Feuerwehr Bad Hersfeld